Sakrale Kunst heute

 
Soham Holger Gerull über sein Kunstverständnis und seine Arbeit
 
„Das Wesen der Dinge offenbart sich uns im Stillen
 und spiegelt uns unser eigenes Wesen.
Das ist es, was große Künstler spüren
und in ihren Werken zu offenbaren vermögen“   
 
Eckart Tolle
 

Die Situation ist kritisch

 
Das Ausmaß gravierender, weltweiter Veränderungen in sozialen, technischen und wirtschaftlichen Bereichen ist extrem vorangeschritten.
Diese, sich vor allem auch auf die Natur auswirkenden Veränderungen, nehmen bedrohliche Formen für alles materielle Leben auf unserem Planeten an. 
Neue Kommunikations- und Informationstechnologien wie Internet, Handy, Fernsehen, beeinflussen die verschiedenen Kulturen und verändern diese in rasantem Tempo.
Transportmittel wie Flugzeuge und Kraftfahrzeuge sorgen für permanenten Austausch von Waren und Informationen und beschleunigen den kulturellen Veränderungsprozess.
Mit diesem einseitigen, deutlich erkennbar zerstörerischen „ Fortschritt „, stellen sich der Menschheit neue Anforderungen und neue Lebensaufgaben;
es geht nicht mehr nur um materielles Wachstum, es geht um das seelisch, geistige Wachsen und Erwachen der gesamten Menschheit.
Unser vermeintlicher Fortschritt macht eine Rückbesinnung dringend notwendig.
Wir sind aufgefordert den Sinn unseres Lebens zu überdenken, uns zu besinnen, uns zu erinnern und als spirituelle Wesen zu erfahren,
die wieder im Einklang mit der Natur und ihren Mitmenschen leben.
Es ist an der Zeit, dass sich in Wirtschaft, Politik und Kultur, mehr und mehr weise, erwachte Menschen engagieren und wirken,
die diese Vision in die Gesellschaft hineintragen und verwirklichen; das bedeutet auch, dass jeder einzelne, täglich aufs Neue, genau diese wesentlichen,
ethischen Werte von Liebe, Mitgefühl, Wahrhaftigkeit, Offenheit in sich bewusst machen, entwickeln und leben muss,
den Auftrag unseres wahren Menschseins hier auf Erden.
Das Wissen um die allem zugrunde liegende Einheit und ein spirituelles Bewusstsein, sind Voraussetzung für die Verwirklichung einer neuen Ethik,
einer neuen Religiosität und einer neuen Kultur.
 

Die Aufgabe der sakralen Kunst

 
In diesem Zusammenhang kommt heute, im 21. Jahrhundert, insbesondere der sakralen Kunst wieder eine wesentliche, Richtung weisende Aufgabe und Bedeutung zu,
einer bildenden Kunst, die zum Wohle der Menschheit wirkt und zur Veränderung des menschlichen Bewusstseins beiträgt. 
Traditionell entstanden aus einer religiösen Haltung, aus der Versinnbildlichung eines gemeinsamen Glaubens, Sehnens und Strebens nach einer höheren Ordnung,
hat Kunst nach wie vor, in den verschiedenen Kulturen, einen wichtigen gesellschaftlichen Stellenwert.
Wie ihre historische Vergangenheit zeigt, unterliegt sie wie alle anderen Bereiche auch, in ihren Inhalten,
ihrem Ausdruck und in ihrer Darstellung einer ständigen Veränderung.
Es ist auffällig, dass sie sich von ihrem religiös-kulturellen Ursprung weit entfernt hat.
Gespalten in die unterschiedlichsten Stile, wie Concept Art, Happenings, Malerei der neuen Wilden, Actionpainting, Grafitti, kritischen Realismus und vielen anderen,
zeigt sich in der Kunst, die heute in Galerien vermarktet wird und wie auch ihre Kennzeichnung verdeutlicht,
meist wenig Ausrichtung auf spirituelle Aspekte und kaum Hinwendung zu unserem spirituellen Sein, unserer eigenen inneren Göttlichkeit. 
Kunst sollte eine ethische und ästhetische Bestimmung haben,
sie sollte zum Wachstum des menschlichen Bewusstseins beitragen und eine Ausrichtung auf das Göttliche beinhalten.
Durch diese Ausrichtung wäre ein gemeinsamer Kontext wiederhergestellt, eine übergeordnete, seelisch geistige Verbindung und damit ein Ziel,
auf das alle Künstler wie auch alle Menschen, aller Kulturen und Religionen sich beziehen könnten, um in Einheit und Harmonie zu leben.
Der Wortstamm Religio weist diesen Weg; Religio bedeutet Rückverbindung zu Gott, der Natur, der Kultur.
Spirituelle Kunst verbindet, sie verliert sich nicht in äußeren Trends, sie verkündet eine Vision der Einheit und schafft Synthese, sie ist der Finger,
der zum Mond weist, indem sie in ihrem vollkommenen Ausdruck das Göttliche offenbart.
Das Göttliche kann nur als Einheit verstanden werden. Schöpfer und Schöpfung sind eins. Dies bewusst zu machen, ist eine Aufgabe spiritueller Kunst.
Kunstwerke, die uns tief in unserem Inneren berühren, tragen ewig gültige Gesetzmäßigkeiten in sich wie Schönheit, Harmonie, Heilige Geometrie,
göttliche Proportion des Goldenen Schnitts, wie sie in Bildnissen von Heiligen, in Mandalas, Yantras,
in der Architektur alter Kulturen und auch in den Kornkreisphänomenen der neueren Zeit zu finden sind.
Spirituelle Kunst richtet das Auge des Betrachters nach oben aus, auf das Zentrum des Einen, auf den eigenen göttlichen Wesenskern;
sie verbindet ihn mit seiner Seele, seinem Geist. 
Spiritualität ist die innere Erfahrung des Göttlichen; sich Verbundenfühlen mit allem was ist und das All-EIN-SEIN erkennen, ist ein Moment dieser Erfahrung
 

Der spirituelle Künstler

 
Der spirituelle Künstler ist und bleibt ein ewig Suchender nach dem Höchsten, der Essenz, dem großen Mysterium;
er bewegt sich mit der Kraft der Magie in einer mystisch komplexen Welt – wie ein Schamane. Wahre Spiritualität heißt für ihn, wie auch für den Schamanen,
die Einheit zu finden, die feinen Schwingungen aufzuspüren, die Synthese zu leben und in seiner Kunst Zeugnis davon zu geben, was sein inneres göttliches Selbst ihn lehrt.
Er wirkt als sensible Antenne, als intuitiver Kanal feinstofflicher Wahrheiten, Energien und Schwingungen.
Seine ureigene innere spirituelle Erfahrung leitet ihn und richten sein Bewusstsein, und damit seinen künstlerischen Ausdruck und Inhalt auf das Göttliche aus.
In Meditation und Andacht zu sein, Liebe, Achtung und Dankbarkeit zu empfinden, sind für den spirituellen Künstler die Voraussetzungen, das Empfangene,
das Transzendente, das Überpersönliche, Ewige in die Welt bringen zu können, es zu materialisieren. 
Er arbeitet mit Gestaltungsmitteln genauso, wie mit seiner Bewusstheit und Absicht. Seine Beobachtungen formen in ihm eine Wahrnehmung und innere Erkenntnis,
die er mit seinem künstlerischen Können und seiner Erfahrung umsetzen kann.
 

Die innere Haltung

 
Kinesiologische Muskeltests zeigen, dass Bilder, Fotografien, Gegenstände eine energetisch aufbauende,
stärkende oder schwächende Wirkung auf den Betrachter haben können.
Der Zusammenhang ist klar; die momentane psychische und seelische Verfassung des Künstlers wird beim Malen im Bild gespeichert.
Insofern ist es für mich wichtig, in welcher Grundstimmung, Haltung und Ausrichtung ich an meinen Bildern arbeite.
Ich brauche einen entspannten, meditativen inneren Raum,
in dem ich mich in Dankbarkeit und Ausgeglichenheit, ungestört auf das Bild konzentrieren kann, fernab jeglichen Zeitdrucks.
Symmetrie und Geometrie in meinen Bildern, fördern in mir selbst wie auch im Betrachter, eine zentrierende, beruhigende innere Ordnung.
Das Bild, das ich vor meinem inneren Auge sehe, ist wie eine Offenbarung, die ich empfange. Dankbarkeit und Freude darüber, wirkt in mir während des gesamten Malens.
Ich kann verstehen, dass Ikonenmaler oder tibetische Mönche, bei der Gestaltung ihrer Mandalas, sich vor und auch während ihrer Arbeit, durch Fasten, Gebete und Rituale,
auf das Bild und seinen Inhalt, einstimmen.
Mittels des Kunstwerkes, verbinde ich mich mit meinem göttlichen Selbst, der Unendlichkeit, dem Ewigen. In einer kontemplativen Haltung betrachtet und wahrgenommen,
wirkt das Bild mit seinen Farben, Formen, Proportionen wie ein Tor zu einer anderen Realität, einer Realität in der Harmonie und Frieden präsent sind.
 

Die Inspiration

 
Alles Mystische, Unbegreifliche wie die bereits erwähnten Kornkreisphänomene, die Bauten alter Kulturen, Wasserforschung, Kymatik, Astrophysik, die Heilige Geometrie,
auch Symbole und Rituale interessieren und inspirieren mich und lassen mich weiterforschen.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse beflügeln mich; durch Gleichnisse und Ähnlichkeiten offenbaren sich mir Zusammenhänge,
die sich unterschiedlich in ihrer Erscheinung, aber übereinstimmend in ihrer Essenz, als allgemein gültige Gesetzmäßigkeiten darstellen.
Durch intensive Betrachtung erschließen sich mir neue Zusammenhänge.
Je tiefer meine Einsicht in diese stillen Kräfte, umso mehr wächst meine Ehrfurcht vor diesen göttlichen Harmonien, die mich tief berühren.                       
Das Universum gleicht für mich einem großen Hologramm, bei dem in jedem Teilaspekt alle Informationen des Ganzen enthalten sind,
so wie sich dies auch bei den fraktalen Strukturen findet, die sich selbst ordnen und immer wieder in neuen Variationen gestalten.  
In den Fragmenten des Heraklit heißt es:
 
„ Es gibt nur eine Weisheit. Erkenne die Intelligenz, die alle Dinge mit allen Dingen verwebt. Der Weise sieht ein, dass alle Dinge eins sind “.
 

Schwingungen

 
Die eigene Erfahrung göttlicher Kräfte und feinstofflicher Energien verwandelte meine Wahrnehmung und meinen künstlerischen Ausdruck.
Ein tief greifendes spirituelles Erleben, das mich bewusst feinstoffliche Energien und deren Heilkräfte wahrnehmen und erfahren ließ, inspirierte mich;
seitdem male ich meine Schwingungsbilder. Diese heilenden Energien, die ich erleben durfte, in meinen Bildern sichtbar und fühlbar werden zu lassen,
Schönheit, Harmonie und Licht in die Welt auszusenden, ist mein Herzenswunsch und meine Seelenausrichtung.
Die Schwingungsbilder sind für mich Träger der geistigen Kräfte und Gesetze, die hinter den Dingen liegen – Symbole für das unsichtbare Mysterium allen Lebens.
Die Reduktion auf Grundformen, ohne figürliche Darstellung und kulturspezifische Symbole, schafft Raum für die Essenz von Farbe und Form.
Ähnlich einem Yantra schwingen die klaren, reduzierten, abstrakten Bildräume in einer subtilen Qualität,
die das Göttliche in seiner Essenz für alle Kulturen und Religionen gleichermaßen gültig darstellt.
Gefühl und Geist verbinden sich in diesen Meditationsbildern zu einer Einheit und führen den Betrachter in einen heiligen, heilenden Raum der Stille und Andacht.
 

Licht und Form

 
Das wichtigste Element in meinen Schwingungsbildern ist das Licht.
Es strahlt von der Mitte des Bildes radial nach außen, und ist für mich Symbol für die göttliche Präsenz,
die unerschöpflich aus dem Zentrum heraus pulsiert.
Der Kreis ist ein Beispiel für die Symbolik der Unendlichkeit, das Allumfassende und die Leere, Anfang und Ende und Transformation.
Er symbolisiert das in sich Geschlossene, das Vollendete, die Einheit des Göttlichen in seiner materialisierten Form.
Das Zentrum des Kreises ist der Ursprung aller Form und Ausgangspunkt der Schöpfung.
Die Schwingung der Zahl ist die Grundstruktur der materiellen Welt. Sie drückt sich in Formen, Proportionen und Symbolen aus, die die Heilige Geometrie sichtbar machen.
Die Heilige Geometrie ist die übergeordnete, Struktur gebende Verbindung zwischen Geist und Materie:
Sie spiegelt uns die Gesetzmäßigkeiten der Wirk- und Ordnungsprinzipien im Kosmos wider. Die Zahlen sind dabei nicht nur Quantitäten,
sie haben auch ihre spezifische Qualität, ihre ureigene Schwingung und Energie.
Das schöpferische Energiemuster einer Zahlenschwingung wirkt wie ein Raster an dem sich die Architektur des Bildes ausrichtet und auf uns einwirkt.
 

Harmonische Wirkung

 
Während die klaren Formen in meinen Bildern eher den Geist des Betrachters ansprechen, so berühren die weichen, verlaufenden Nuancen der Farbgebung die Gefühle.
Farbe und Farbübergänge sind vor allem durch das reine, gedankenlose Empfinden wahrnehmbar. 
Sie haben eine spürbar energetische Wirkung auf Körper, Seele und Geist. 
Die Schwingungsbilder wirken auf Menschen und Räume harmonisierend und energetisierend Durch ihre lichtvolle, klare Ausstrahlung,
ihre Schönheit und Ästhetik fördern sie eine erholsame und entspannende Atmosphäre und erhöhen die energetische Schwingung.
Es sind Meditationsbilder, die in einem neuen Einklang von Zahl, Farbe und „Heiliger Geometrie“ schwingen; Bilder des neuen Zeitalters,
geschaffen für eine neue Realität des Lichtes, der Liebe und Heilung.
     
„ Die Schöpfung ist von einem Geist erschaffen, der sich durch sie ausdrückt und sich selbst in seinen verschiedensten Daseinsformen wahrnehmen und erfahren will “.
Soham
 
Text : Soham Holger Gerull , veröffentlicht in der Zeitschrift Visionen Nr.4 / 2007
       www.visionen.com

 


 

Harmonisierende Schwingungsbilder

 
Die Gemälde von Soham Holger Gerull verkörpern eine vollkommene Balance zwischen Yin und Yang.
Deshalb eignen sie sich hervorragend zur Kontemplation. 
“Spiritualität ist für mich nicht konfessioneller Glaube oder ein Dogma“, schreibt Soham Holger Gerull in seinem Bildband Sphären des Lichts,
sondern eine innere Erfahrung, die mit der Gewißheit verbunden ist, die göttliche Kraft wirklich wahrgenommen zu haben.
Spiritualität ist ein direkter Kontakt mit dieser Energie und deren Ausdrucksformen.
Menschen aller Kulturen haben ihn erlebt und dadurch ihr Bewußtsein auf das Göttliche ausgerichtet.
Kunst ist eine gute Möglichkeit, diese Erfahrung dem Betrachter zu vermitteln, ihn zu berühren.
Durch seine Ausrichtung des Bewußtseins kann der spirituelle Künstler das Auge des Betrachters nach ‚oben’ richten,
ihn einen Duft dieser Dimension der Liebe und Geborgenheit erfahren lassen.“
So ist für Gerull die zentrale Frage in seinem Schaffen,
wie er „die Wahrheit und Zeitlosigkeit des Universums auf all seinen feinstofflichen Ebenen und das spirituelle Sein des Menschen zum Ausdruck bringen“ kann.
Der spirituelle Künstler bleibt – so Gerull – ein ewig Suchender nach dem Höchsten, der Essenz des Lebens. „Wahre Spiritualität heißt für den Künstler,
die Einheit zu finden, die feinen Schwingungen aufzuspüren, die Synthese zu leben und Zeugnis davon zu geben, was sein inneres göttliches Selbst ihn lehrt.“
„In dieser religiösen Suche liegt auch eine Sehnsucht nach Schönheit, nach der in der Tiefe liegenden Harmonie zwischen den Naturgesetzen.
Schönheit ist für uns Menschen von großer Bedeutung. Wir spüren ihre heilsame Wirkung, die Freude, die sie in unserem Herzen auslöst.
Schönheit ist Nahrung für die Seele. Ihre Schwingung hat einen spürbar licht- und friedvollen Einfluß auf uns. In der Schönheit mit ihren vielfältigen Harmonien ist die Einheit,
die Essenz des Göttlichen verborgen und scheint durch sie hindurch.“
Schon als Kind fühlte sich Soham Holger Gerull von der Schönheit in der Natur tief berührt,
„die in meiner Erinnerung bis heute mit einem tiefen Gefühl von Freiheit, Frieden und Freude verbunden ist.“
Aus diesem im Grunde genommen meditativen Erschauen der Natur entwickelte Gerull in seiner Jugend eine besondere Vorliebe für die Malerei.
Den richtungsweisenden Impuls für sein heutiges Kunstschaffen erhielt er jedoch 1990,
als er über Monate hinweg ein fast unstillbares Verlangen nach dem Blau des Himmels hatte.
„Immer wieder schaute ich mir die zarten Farbverläufe und Nuancierungen des Himmels an, die mich dann zum Malen dieses Farbtons aufforderten.“
Mit der Zeit schaute Gerull vor seinem inneren Auge immer komplexere geometrische Formstrukturen, die er zunächst möglichst getreu auf Skizzen bannte.
Bald brauchte er beim Betrachten von Mosaiken oder Kristallbildern nur noch die Augen zu schließen, um neue visionäre Eingebungen zu erhalten.
So entsteht, was Gerull „Schwingungsbilder“ nennt. „Als ich begann, meine Bilder zu malen, trug ich den starken Wunsch in mir, Schönheit und Lichtvolles entstehen zu lassen.
Die mit dieser Absicht entstandenen Bilder erhöhen durch die Schwingung von Farben und geometrischen Formen unsere Eigenschwingung
und lassen uns den Glanz des Göttlichen erkennen.“
Jedes seiner Bilder hat ein klares Zentrum, welches das Auge des Betrachters magisch anzieht.
Alle Energien des Bildes fließen in diesen Mittelpunkt hinein, aber auch wieder hinaus.
Das ist kein Zufall: „Diese Zentrum ist Gott oder die universale Quelle allen Lebens. Alles geht von dieser Quelle aus und kehrt wieder zu ihr zurück.“
Die geometrischen Strukturen basieren auf archaischen Urmustern des Kosmos, wie man sie beispielsweise auch in tibetischen Yantras oder Mandalas findet.
„Sie bieten Klarheit, Begrenztheit, Ordnung“, erklärt Gerull. „Damit stehen sie für das männliche Yang, aber auch den göttlichen Geist oder Gedanken.
Sie verkörpern den Aspekt der Form.“
Transzendiert werden diese Strukturen durch wohltuende, sanft ineinanderfließende Farbschattierungen.
„Die Farben repräsentieren das weibliche Yin oder das göttliche Gefühl. Sie verkörpern den Aspekt der Qualität.“
Damit sind Gerulls Schwingungsbilder eine vollkommene Balance zwischen Yin und Yang, Kopf und Herz. Von ihnen geht eine stark zentrierende Wirkung aus,
die den Betrachter wieder in die eigene Mitte bringt, ihn also auf Gott ausrichtet, Der sowohl in unserem Herzen wohnt als auch der Ursprung des Universums ist.
Entsprechend ausgeglichen muß auch der Künstler selbst sein, wenn er diese Bilder malen will. „Dazu gehören gleichermaßen Konzentration und Kontemplation.
Ohne Gelassenheit und innere Ruhe kann ich nicht malen“, erklärt Gerull.
„In seiner religiösen Erfahrung stellt der spirituelle Künstler das Überpersönliche, das Ewige dar. Es ist die Reflexion der inneren Schönheit, der schöpferischen Kraft,
die durch ihn wirkt und durch die er lebt. Die Werke, die er schafft, sind Zeugnisse seiner selbst; sie manifestieren sein Bewußtsein,
das auf seinen ureigenen Lernerfahrungen und Erkenntnisprozessen basiert“, schreibt Gerull. „In dieser Wahrheit, mit dieser Weisheit und diesem Wissen gemalt,
können Bilder eine transformierende Wirkung haben. Sie können das innere göttliche Selbst des Betrachters, seine spirituelle Essenz berühren und erwecken.“
                             
 Text                     Benjamin Seiler         Zeitenschrift Nr. 40 / 2003
                                                                   www.zeitenschrift.com
 
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